Lernen und Lehren unter besonderen Bedingungen

Die letzten Monate haben Vieles verändert. Wir haben aufgrund der Corona-Maßnahmen neue Formen gefunden, um zu arbeiten und zu lernen. Für uns von SOFTTECH war es glücklicherweise so, dass die Umstellung auf HomeOffice sowohl technisch wie auch inhaltlich reibungslos möglich war. Wir bekommen auch immer wieder Rückmeldungen, dass unsere Kunden Mittel und Wege gefunden haben, um effektiv arbeiten zu können. Nicht zuletzt dank unserer Online-Angebote. Aber wie läuft es an Hochschulen und Universitäten, mit denen wir seit mittlerweile drei Jahren engen Kontakt pflegen? Wir fragten Agnes Kelm von der Bergischen Universität Wuppertal und Peter Böttcher von der htw saar, wie in ihren Augen sinnvolle Lehre unter Corona-Auflagen möglich ist.

Interview mit Agnes Kelm von der Bergischen Universität Wuppertal

M.Sc. Agnes Kelm, Leiterin des BIM-Instituts an der Bergischen Universität Wuppertal Urheber: Kelm, Bergische Universität Wuppertal

Frau Kelm, wie laufen die Lehrveranstaltungen am BIM-Institut in Wuppertal?

Im Sommersemester fanden alle ausschließlich online statt und das hat bei den Studierenden wie auch bei den Dozenten sehr gut funktioniert.

Das klingt doch gut. Gab es auch Anlaufschwierigkeiten?

Kaum, da wir bereits vor Corona „Blended Learning“ praktizierten, zum Beispiel in unserem BIM-Modul. Das heißt es gibt eine Präsenzphase, um die Grundlagen kennenzulernen, danach arbeiten sich die Studierenden mit Online-Tutorials tiefergehend in die Software-Anwendungen ein. Die Projektarbeiten erstellt die Gruppe dann gemeinsam, aber selbstständig. Im letzten Sommersemester fanden auch die Grundlagen-Vorlesungen als Web-Seminare statt. Glücklicherweise besitzen nahezu alle Studierenden Laptops und einen guten WLAN-Zugang. Unsere IT-Abteilung an der Uni hat dann dafür gesorgt, dass die Web-Seminare mit der gebotenen Datensicherheit stattfinden konnten.

Wo sehen Sie die Vorteile der virtuellen Lehre?

Das Arbeiten zu jeder Zeit und von jedem Ort aus finden viele gut. So entfällt für einige Studierende eine lange Anfahrt. Außerdem konnten wir den Teilnehmerkreis für das BIM-Modul vergrößern. Jetzt sind es 28 statt 24 Master-Studierende im Kurs, weil wir an räumliche Kapazitäten nicht mehr gebunden sind. Außerdem lässt sich das fachliche Know-how auch gut in Online-Veranstaltungen vermitteln.

Und wo sind Herausforderungen?

Ganz klar im sozialen Bereich und im Networking. Nach drei Monaten 100 % Online-Veranstaltungen merken wir Dozenten, wie sehr es den Studierenden und auch uns an Austausch fehlt. Die Arbeitsgruppen, soweit sie sich kennen, treffen sich bei jemandem zuhause. Aber der zentrale Ort fehlt. Wir planen deshalb ab dem Wintersemester 2020/2021 für die Erstsemester wieder Präsenzveranstaltungen zu machen, damit sie die Möglichkeiten haben, sich kennenzulernen. Man sollte auch nicht unterschätzen, wie wichtig Netzwerke aus dem Studium für das spätere Berufsleben sind. Auch deshalb halte ich auf längere Sicht reinen Online-Unterricht, egal in welchem Semester, nicht für sinnvoll.

Hat sich der Lernstoff durch die Web-Seminare verändert?

Ja. Anfangs dachten wir noch, das gewohnte Pensum durchziehen zu müssen. Aber nach einigen Veranstaltungen haben wir den Stoff gekürzt, um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern und lassen nun nach jeder Online-Veranstaltung mehr Zeit für Fragen.

Nutzen die Studierenden diese Möglichkeit der Interaktion?

Mehr oder weniger. Wir merken schon, dass die Hemmschwelle, Fragen zu stellen größer ist als in Präsenzveranstaltungen. Da kann sich jeder auch mal mit seinem Nachbarn kurz absprechen, ob der zum Beispiel etwas auch nicht verstanden hat. Vor versammelter Mannschaft ist da die Scheu größer. Am besten ist es, wir Dozenten sprechen gezielt die Studierenden mit Namen an, wenn wir Rückmeldung haben möchten. Ansonsten kommt es einem manchmal vor „gegen eine Wand zu reden“. Sehr intensiv ist hingegen der Austausch in den Online-Sprechstunden, in denen wir mit den jeweiligen Arbeitsgruppen ihre Projektarbeit besprechen. Das ist fast so wie vorher.

Wie geht es weiter im Wintersemester 2020?

Wir fahren eine Art Hybridbetrieb aus Präsenz- und Online-Veranstaltungen. Den Anfang machte Mitte August bereits die BIM-Summerschool mit erst einmal 20 Studierenden im Präsenzunterricht. Da sich die Teilnehmer nicht kennen, ist Präsenz hier besonders wichtig. Genauso ist es bei den Erstsemestern im Oktober. Die Grundlagen werden deshalb auch in Präsenzveranstaltungen vermittelt. Kennen sich die Studierenden, ist es auch einfacher möglich, virtuelle Arbeitsgruppen zu bilden. Die höheren Semester lernen weiterhin überwiegend in Web-Seminaren.

Interview mit Peter Böttcher von der htw saar

Professor Peter Böttcher, Lehrstuhl für Baubetrieb Baumanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw) Saar

Herr Professor Böttcher, wie haben Sie die letzten Monate an der htw saar erlebt?

Sehr gemischt, einerseits haben wir Dozenten festgestellt, dass es durchaus möglich ist, Lernstoff ausschließlich online an die Studierenden zu vermitteln. Auf der anderen Seite bleibt aber, meiner Meinung nach, ganz viel auf der Strecke.

Was meinen Sie damit?

Fertigkeiten und Kompetenzen lassen sich nur schwer weitergeben. In meinen Seminaren sitzen bis zu 40 Studierende, in den Vorlesungen sogar 70. Wenn ich BIM-basierte Kalkulation am Beispiel von AVANTI unterrichte, gehe ich normalerweise durch die Reihen und schaue mir an, wie die Studierenden das umsetzen. Ich sehe dann sofort, wenn Unklarheiten sind oder falsche Rechenwege genutzt werden. Im Präsenzunterricht lässt sich oft mit ein oder zwei Sätzen vieles klären und die spätere Gruppenarbeit läuft umso besser.

In den Online-Veranstaltungen können doch auch Fragen geklärt werden?

Theoretisch ja, nach jeder Veranstaltung. Aber meist kommt da nichts, sei es aus Scheu oder weil der Stoff durch den Frontalunterricht am Bildschirm so komprimiert rüberkommt und erst mal verstanden werden muss.

Wie wird der Lehrbetrieb an der htw in Saarbrücken im Wintersemester 2020 aussehen?

Wir fahren mehrgleisig. Es gibt Kollegen, die den Online-Unterricht bevorzugen, insbesondere in den höheren Semestern. Ich selbst werde beispielsweise meine „Einführung in die Informatik“ im Präsenzunterricht über drei verbundene Hörsäle machen. Es wird immer nur ein Semester, in dem Fall die Erstsemester, anwesend sein. Die Studierenden haben so die Möglichkeit, unter Wahrung des Sicherheitsabstandes, direkt miteinander und mit mir zu kommunizieren. Das kommt allen zugute. Prüfungen wurden an der htw auch im Sommersemester bereits hier vor Ort abgelegt und das planen wir so beizubehalten. Wir haben auch aktuell die Erfahrung gemacht, dass die Studierenden lieber offline ihre Projekt-Präsentationen machen, wenn wir ihnen das freistellen. Die Veranstaltung „Modellbasierte Mengen- und Kostenermittlung mit AVANTI“ steht erst wieder im Februar an. Ob wir die Online oder im Präsenzunterricht machen können, wird sich zeigen.

Fazit

Die Vermittlung von Lehrinhalten über Online-Medien ist gut möglich. „Blended Learning“ könnte sich daher in Zukunft noch mehr etablieren. Auch weil die meisten Studierenden gut mit Hard- und Software ausgestattet sind. Aber in einem Punkt sind sich die befragten Dozenten einig: Der zwischenmenschliche Umgang miteinander und vor allem die Möglichkeit Netzwerke zu bilden, bleiben auf der Strecke. Beides sind Kompetenzen, die im späteren Berufsleben von großer Bedeutung sind. Es bleibt daher zu wünschen, dass Hochschulen und Universitäten bald wieder Treffpunkte sein dürfen für junge Menschen, die später die führenden Köpfe in der Baubranche sein werden.


Möchten Sie mehr über unsere jahrelange Zusammenarbeit mit den Hochschulen erfahren? Lesen Sie jetzt den Blogartikel SOFTTECH weitet Engagement an Universitäten und Hochschulen aus.

Margret Wesely

Margret Wesely

Ich habe Spaß an der Aufgabe, unsere SOFTTECH-Produkte öffentlichkeitswirksam ins rechte Licht zu rücken. Dazu gehört zielgruppenspezifisches Marketing, aber auch die entsprechende Pressearbeit. Mehr erfahren: blog.softtech.de/unsere-autoren