Prototypen mit SketchUp Pro erstellen – Start-up Unternehmen im Interview

Julie Soléy im Interview – Teil 2

SketchUp Pro lässt sich vielfältig einsetzen. Genau deshalb ist es so spannend zu erfahren, was unsere Kunden mit der Software machen. Besonders interessant wird es, wenn das Produkt auch noch so außergewöhnlich ist, wie die „Sonnenschutz-Dusche“ von Julie Soléy. Daher unterstützen und begleiten wir die jungen Neustadter gerne auf ihrem Weg als erfolgreiche Unternehmer.

Nachdem es im ersten Interview-Teil um die Hürden für Start-ups in Deutschland ging, erfahren wir jetzt mehr über den Einsatz der 3D-Software SketchUp Pro bei Julie Soléy.

Julie-Soléy ist ein Unternehmen aus Neustadt an der Weinstraße. Seit wann gibt es die GmbH?

Szkutnik: Anfang Mai, genauer gesagt am 5. Mai 2017 kam endlich das Schreiben vom Handelsregister. Es hat also von der ersten Idee bis dahin anderthalb Jahre gedauert. Hauptsächlich, weil wir 9 Monate auf die Finanzierung über das Gründerstipendium von „Exist“ gewartet haben. Das hat dann letztlich nicht funktioniert, aber wir haben einen anderen Weg gefunden, die Idee umzusetzen.

Glückwunsch zur erfolgreichen Firmengründung!

Danke.

Wer sind die Zielgruppen für eine Sonnenschutz-Dusche?

Vor der Firmengründung haben Sie sich sicher viele Gedanken zu den späteren Abnehmern Ihres Produkts gemacht. Wie haben Sie mehr über Ihre Zielgruppe herausgefunden?

Szkutnik: Im ersten Schritt wollten wir wissen, wie die Anwender über die Relevanz von Sonnenschutz und das Eincremen denken, sowie testen, ob eine Sonnenschutz-Dusche überhaupt praktikabel erscheint. Dafür haben wir einen Fragebogen erstellt und diesen unter anderem über Facebook verbreitet. Mehr als 350 Personen gaben uns Auskunft zu Ihren Eincreme- und Urlaubsgewohnheiten sowie ihre Nutzungseinschätzung der Sonnenschutz-Dusche. Im zweiten Schritt sind wir direkt an die Orte gefahren, um mit den Hotelmanagern und Sonnenbadenden direkt zu sprechen. Wir waren auf Kreta und in Dubai. Mit Hotelmanagern von der Ostsee und aus Spanien haben wir Telefoninterviews geführt, um Feedback aus erster Hand zu bekommen.

Kam hier bereits SketchUp Pro zum Einsatz?

Rößler: Ja, zuerst hatten wir eine Bleistiftzeichnung von einer „Schneckennudel“. Daraus entstand dann ziemlich schnell eine 3D-Zeichnung inklusive Bemaßungen in SketchUp Pro mit verschiedenen Detailzeichnungen. Das Modell war animiert, z. B. ließ sich die Tür öffnen und die Kabine virtuell „begehen“. Das hilft der Vorstellungskraft vieler Menschen weiter. Außerdem verliefen die Gespräche mit den Zielgruppen dadurch viel konkreter und es hat zur Begeisterung für die Idee maßgeblich beigetragen.

Sonnenschutzdusche Soléy als 3D-Rendering
Sonnenschutz-Dusche als 3D-Rendering

Haben Sie Neues über die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe erfahren?

Szkutnik: Ja, sehr viel Detailwissen, das dann auch in die Entwicklung eingeflossen ist. Aus den Befragungen stammt zum Beispiel die Idee mit dem Kapselsystem. Damit kann jeder für seinen Hauttyp oder seine Vorlieben die passende Creme-Marke auswählen.

Wie ist derzeit Ihr Vertriebskonzept?

Szkutnik: Vorerst konzentrieren wir uns in der Testphase auf die familiengeführten 5-Sterne-Hotels. Hier ist die Kooperationsbereitschaft hoch und wir können unsere Prototyen gut testen. Wichtige Schlüsselpartner sind auch Firmen, die Hotels planen und Kosmetikhersteller für unsere Kapseln. Nach erfolgreichem Test wollen wir mit den großen Hotelketten sprechen, denn diese sind die eigentlich interessanten Kunden für uns.

3D-Druck mit SketchUp Pro ist einfach und kostengünstig

Sie haben hier in Ihrem Neustadter Büro einen 3D-Drucker stehen. Ist der selbst gebaut?

Rößler: Ja, da steckt viel Arbeit drin, weil ich den Drucker für unsere Bedürfnisse angepasst habe. Das einzige Dazugekaufte ist der Stahlrahmen. Die normalen Acrylrahmen aus China waren für unsere Ansprüche nicht ausreichend. Hier stößt man schnell an die Grenzen bezüglich Druck-Geschwindigkeit und der Form- bzw. Hitzebeständigkeit.

3D-Drucker
3D-Drucker im Detail

Welche Bedeutung hat der 3D-Druck für Ihr Unternehmen?

Rößler: Eine sehr große Bedeutung, denn wir nutzen den 3D-Druck intensiv für unseren Modellbau. Unsere Generation ist die erste, die Rapid-Prototyping anwenden kann, was viel einfacher und günstiger ist, als das bekannte Laser-Sinter-Druckverfahren im Maschinenbau. Wir können Produktkomponenten einfach ausdrucken, ohne einen Umweg über Drechsler und Maschinenbauer gehen zu müssen.
Gestern habe ich beispielweise den Motorhalter in SketchUp Pro entworfen und ausgedruckt. Früher wäre ich damit zum Maschinenbauer gegangen, es hätte Tage gedauert und ca. 200 € gekostet. Nun geht das mit einem Bruchteil der Zeit und des Geldes. Die SketchUp Pro Daten sind bereits im Entwurf richtig bemaßt. Mit leichten Änderungen können wir die Daten später auch für die Serienproduktion verwenden.
Mich wundert allerdings, dass ich kein weiteres Start-Up mit einem 3D-Drucker kenne, obwohl das Vieles einfacher machen würde. 3D-Druck gilt immer noch als teuer und kompliziert.

Wo setzen Sie die gedruckten Teile ein?

Rößler: Die Verfahrachsen, inklusive Schienen und Schlitten, haben wir im 3D-Druck erst einmal für ein kleineres Modell gedruckt und dann optimiert, bis alles perfekt funktionierte. Einzelne Teile des großen Prototyps sind auch in SketchUp erstellt und gedruckt.

Und woher kommen die Druckdaten?

Rößler: Direkt aus der Software. Die SketchUp Daten werden über eine STL-Verbindung an den Drucker übertragen.

Aus einem SketchUp Pro-Modell entsteht ein Prototyp

Aus dem SketchUp-Modell wurde irgendwann dieser 1:1 Prototyp in Ihrer Fabrikhalle. Wie haben Sie das gemacht?

Szkutnik: Den Grundkorpus haben wir im November 2016 im Keller der Druckerei eines befreundeten Unternehmers gebaut, um ein Gefühl für die Dimensionen der Sonnenschutz-Dusche zu bekommen. Wie geht man rein? Ist genügend Platz? Wie sind die Blickrichtungen des Nutzers? Wo müssen die Verfahrachsen platziert werden? etc. Wenn das Modell erst einmal in SketchUp Pro modelliert ist, fällt der Bau eines Prototyps schon relativ leicht, weil die Bemaßung und alle Details bereits vorhanden sind.

1:1 Prototyp der Sonnenschutz-Dusche
1:1 Prototyp der Sonnenschutz-Dusche

Wie funktioniert das Versprühen der Sonnencreme?

Rößler: Auf den drei Verfahrachsen sitzt jeweils ein Schlitten mit einer Düse, die Sonnencreme sprüht. Der Körper des Anwenders wird sensorgestützt ausgemessen. Diese Daten gelangen an den Motor, der dann die Schlitten mit den Düsen genau steuert. Die Sonnencreme selbst befindet sich in einer zweigeteilten Kapsel. Der größere Teil ist für die automatische Applikation in der Maschine und der zweite, kleinere Teil kann als Gesichtscreme eingesetzt werden. Die trägt dann jeder selbst auf, damit die Creme nicht in den Haaren landet. Wobei wir in unseren Befragungen auch rausfanden, dass manche lieber eine separate Creme für das Gesicht nutzen möchten.

Gibt es schon Erfahrungen mit Maschinenbauern? SketchUp Pro verfügt über diverse Schnittstellen zu CAD-Programmen.

Rößler: Bisher noch nicht, aber im August erhält unser Schreiner die Daten, um daraus ein perfektes Gestell unseres Prototyps zu bauen. Das STL-Format für den 3D-Drucker funktionierte bisher immer einwandfrei.

Vom Prototyp geht es dann irgendwann in die Produktion. Wann spricht man von 0-Serien oder auch A-Serien?

Szkutnik: 0-Serien sind die ersten geplanten 5 – 10 Stück vom Maschinenbauer. Die stellen wir in einigen Hotels auf, um die Produkte in der realen Anwendung zu testen. Mit der A-Serie wollen wir dann den Vertrieb im Sommer 2018 starten.

Gute Gründe sprechen für SketchUp Pro

Warum verwenden Sie die 3D-Software SketchUp Pro für Ihre Projekte?

Rößler: Mit SketchUp kommen wir schnell zu einem Ergebnis, weil wir ausprobieren können, ob die Teile passen, sowohl am digitalen Modell als auch mit den gedruckten Teilen. Das spart viel Zeit und Material. Im Prototyp-Bau zahlt es sich aus, dass die Zeichnungen bemaßt sind, denn dann stimmen die Dimensionen von Anfang an. Wir nutzen auch sehr gerne die vorgefertigten Formen, die das Programm bietet. Das ist toll für die Kreativphase, weil wir einfach einen Basiskörper nehmen und verformen können. Ganz anders als in einem CAD-Programm, bei dem wir alles vordefinieren müssen.

Szkutnik: SketchUp Pro ist toll zum Visualisieren und Präsentieren unserer Idee. Das haben wir gemerkt, als wir bei Investoren und Kunden unser Produkt zeigten. Ein animiertes 3D-Modell sagt oft mehr als viele Worte.

Wie geht es weiter?

Was war Ihre größte Herausforderung bisher?

Szkutnik: Es wirklich zu machen! Die Idee im Kopf ist schön und gut, aber dann wirklich zur Tat zu schreiten und ein Unternehmen zu gründen braucht doch etwas Mut. Ansonsten können wir nur sagen: Ideen gibt es überall, man muss sie nur Wirklichkeit werden lassen.

Was sind die nächsten Teilprojekte?

Der Modellbau soll vorangehen, wir müssen noch etwas Geld in die Technik investieren, wie zum Beispiel eine neue Verfahrachse mit neuem Antriebsmotor, einem neuen Kompressor für leiseres Versprühen der Sonnencremes etc. Im August 2017 soll der Prototyp, professionell von einem Schreiner gebaut, fertig sein. Parallel dazu laufen unsere Aktivitäten, weitere Vertriebs- und Konstruktionspartner zu finden und bestehende Beziehungen zu intensivieren, wie z. B. zu Kapselherstellern sowie zu Sonnencremeherstellern.

Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei! Wir verfolgen Ihr Projekt auch in Zukunft und berichten gerne wieder darüber.

Bildnachweis: 3D-Renderings © Julie Soléy, Fotos Prototypen, 3D-Drucker: © SOFTTECH

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Margret Wesely

Margret Wesely

Ich habe Spaß an der Aufgabe, unsere SOFTTECH-Produkte öffentlichkeitswirksam ins rechte Licht zu rücken. Dazu gehört zielgruppenspezifisches Marketing, aber auch die entsprechende Pressearbeit.
Mehr erfahren: blog.softtech.de/unsere-autoren

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